Maschinenringe Ost

Bauer am Bahnsteig - Winterdienst in den neuen Bundesländern

Datum: Freitag, 21. Mai 2010

Michael Neumann und Carola Gäbel

Seit diesem Winter übernehmen auch in Sachsen und anderen ostdeutschen Ländern die Maschinenringe den Winterdienst auf insgesamt 103 Bahnhöfen. In der Sächsischen Schweiz sind 17 Stationen schneefrei zu halten. Und es klappt offenbar gut – zum Nutzen beider Seiten .


links im Bild: Michael Neumann, Garten- und Landschaftspfleger, und Carola Gäbel, Geschäftsführerin des Maschinenring Sächsische Schweiz, am Bahnhof Weesenstein.

Der Wetterbericht war in den vergangenen Wochen für Michael Neumann wichtiger als das restliche TV-Programm. Prophezeite er am Abend dichte Schneewolken, wusste der Garten- und Landschaftspfleger, er muss zeitig ins Bett. Denn am Morgen hat er spätestes halb Vier in die Wattestiefel und seine leuchtorangene Arbeitskombi zu schlüpfen. Dann lädt er den Aufsitzmäher in den Transporter und rollt über oft noch glatte Straßen zur ersten Schicht des Tages.

Doch der 44-jährige macht das nicht ungern. Es gehört halt zu seinem Job. Mehr noch: Für ihn, der in wärmeren Wochen von Baumschnitt, Rasenschur und Parkpflege lebt, ist der Wettergott bereits ein unverzichtbarer Verbündeter. „Man braucht den Winterdienst, um die Einnahmeverluste gegenüber den schneefreien Monaten auszugleichen“, erzählt er, während er am Bahnhof Weesenstein den Minitraktor auslädt. Statt des Scherwerkes hat er den nun mit einem Schiebeschild ausgerüstet. „1,28 m Arbeitsbreite, gerade richtig für die schmalen Bahnsteige“, erläutert Neumann.
Der Schneefall der Nacht war indes in Maßen geblieben. So ist es heute ein überschaubares Unterfangen. Doch Zeit zum Bummeln bleibt nicht. Weesenstein ist nur einer von drei Bahnhöfen, die der Müglitztaler jeden Morgen, wenn es geschneit hat, beräumen muss. Anschließend geht es noch nach Burkhardswalde-Maxen und nach Köttewitz. Wenn kurz vor 5 Uhr der erste Zug der Müglitztalbahn von Altenberg Richtung Heidenau angeschnauft kommt, muss in allen drei Stationen alles vergessen sein. Aber das habe er bisher immer geschafft, meint Neumann gelassen.
Immerhin hat er einige Erfahrung im Winterdienst. Es ist nicht sein erstes Jahr an der kalten Front. Gern wird er wegen seiner Pünktlichkeit und Korrektheit auch von Kommunen oder Firmen gechartert, um Zufahrten, Fußwege und Bushaltestellen freizuschieben. Und genau solche Männer – gegebenenfalls natürlich auch Frauen – suchte Carola Gäbel, als im Herbst plötzlich ein Schreiben auf ihrem Tisch flatterte, das schnelles Handeln gebot. Denn die Maschinenringe Deutschland GmbH hatte über ihre Sparte LandProfi mit der Bahn vereinbart, dass für zunächst zwei Jahre auch 103 Bahnhöfe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unter Vertrag genommen werden.
Was die Geschäftsführerin des Maschinenringes Sächsische Schweiz in Dobra zunächst sehr freute, da es neue Arbeit für die Mitgliedsbetriebe bedeutete, stellte sie zugleich vor die Frage: Packe ich das überhaupt noch vorm ersten Schnee? Denn in Bauernkreisen orakelte man schon eine Weile über einem baldigen harten und langen Winter. Und in ihrem Einzugsgebiet betraf das immerhin 17 Stationen – darunter auch welche mit steilem Gefälle wie in Schmilka, die es in sich haben. Sie beriet sich mit ihren Vorstandsmännern, checkte Chancen und Tücken – aber bald war man sich einig: „Das ist eine lukrative Sache, wir sollten es packen!“
Und sie packte es. Da sie halt ihre Betriebe kennt, ging sie gezielt auf jene Mitglieder zu, die es auch bewältigen können – aufgrund ihres Tagesregimes, ihrer Kapazitäten, der räumlichen Nähe zu den Bahnhöfen oder halt diverser Erfahrungen wie bei Michael Neumann. Sie wusste, wer eine Milchkuhherde hat, steht da vor anderen Zwängen als ein Marktfruchtbetrieb. Doch auch Horst Rößler und Stefan Rehschuh, die in Amtshainersdorf bzw. Reinhardsdorf Milch produzieren, sagten zu. Oder auch Mutterkuhhalter Andreas Frenzel aus Krumhermsdorf.
Auch Hartmut Kranz, der auf seinem Biohof in Lohsdorf im Nebenerwerb neben 45 ha Äcker und Wiesen Mutterkühe bewirtschaftet, ließ sich nicht lange bitten. Wie Neumann sieht der 48-jährige den Winterdienst als „feste Säule im Einkommensmix“. Bei den momentanen Preisen für Korn und Kälber sei man schlicht darauf angewiesen, diesen Zuerwerb zu nutzen, erzählt er. Schon in den Vorjahren machte er in seinem Dorf mit seinem 3,5-Tonner Straßen und Wege passierbar, räumt und streut auch weiterhin. So übernahm auch er zusammen mit Junior Marcel gleich drei Bahnhöfe.
Alles in allem acht Betriebe brachte die Carola Gäbel schließlich noch rechtzeitig vorm ersten Schnee unter Vertrag: Die 17 Bahnhöfe waren abgesichert. Auf allen müssen, wie sie erläutert, die Bahnsteige und Zuwege so beräumt sein, dass die oft noch etwas verschlafen-eiligen Fahrgäste ohne Sturz und Schlitterpartie in die Waggons gelangen. „Und das ist oft reine Handarbeit mit Schippe und Schieber“, fügt sie hinzu. Denn viele Bahnsteige ließen gar keinen Technikeinsatz zu. Anders dagegen der Bahnhof Neustadt, wo zum Job auch der 4000 m² große Vorplatz gehört.
Da Bahnhöfe bei alledem ihre besonderen Probleme bieten, wurden die engagierten Mitglieder zuvor noch sicherheitstechnisch geschult. Am Ende gab es sogar eine Prüfung. Nach dieser gelten sie nun offiziell als „Bahnsteigpflegekraft mit Aufgaben eines Antragstellers für betriebliche Maßnahmen“. Damit sind sie beispielsweise von Amtswegen befugt, während ihrer Arbeiten „aus Gründen der Unfallverhütung die Sperrung eines Bahngleises zu beantragen“.
Wie auskömmlich das Ganze für die Landwirte ist? Die Geschäftsführerin mag sich dazu nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, zumal der Verdienst von verschiedenen Faktoren abhängt – Arbeitsaufwand, Schneemenge usw. Aber bei manchem Bahnhof, verrät sie denn doch, habe man es angesichts der weißen Pracht Ende Dezember schon auf über tausend Euro bringen können: „Kein schlechter Zuverdienst…“ Im Übrigen gebe es auch dann, wenn sich der Himmel längere Zeit heiter zeigt, zumindest eine monatliche Vorhaltevergütung von wenigstens 50 Euro. Bei großen Objekten könnten das auch schon „bis zu 150 Euro sein“, überschlägt sie.
Claudia Habermayr, die im bayrischen Neuburg die Geschäfte von LandProfi leitet, betont überdies: Die Bundesvereinigung der Maschinenringe habe sich bei den Verhandlungen trotz „harter Preiskonkurrenz“ nicht durch Billiganbieter unter Druck setzen lassen. Das Plus der Maschinenringe liege vielmehr in ihrer Zuverlässigkeit und Schlagkraft. Und die hätte halt ihren angemessenen Preis. Es habe sich eben mittlerweile herumgesprochen, dass andere Bewerber mit schlechter Ausrüstung und schlechter Einarbeitung vor Ort in den letzten Jahren „völlig überlastet“ gewesen wären.